Garten Eden - Suche nach der sexuellen Identität!

In letzter Zeit springe ich von Genre zu Genre und probiere ein wenig aus, was mir an Literatur so gefällt. Bis jetzt bin ich auf keine Nieten gestoßen, habe aber noch manche Klassiker auf meiner Liste, die nicht jedermanns Geschmack entsprechen. Heute will ich euch eine schöne Novelle vorstellen, die mir ziemlich gefallen hat:


von Ernest Hemingway

Originaltitel: The Garden of Eden (Englisch)
Genre: Novelle
Autor: Ernest Hemingway
Umfang: ca. 320  Seiten
Erschienen: erstmals 1986;  bei Rowohlt 1999 
Empfohlen: ab ca. 16 Jahren
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Inhalt

Das Ehepaar Bourne verbringt die Flitterwochen in der französischen Reviera und an der spanischen Küste. Der junge Schriftsteller David Bourne ist in seine bezaubernde Frau Catherine verliebt und schätzt sich glücklich. Bald trifft das Ehepaar auf die junge Frau Marita und sowohl David, als auch Catherine verlieben sich in sie. Catherine hat besonderen Spaß daran ihre sexuellen Identität zu erkunden und langsam bröckelt es in der Beziehung des Ehepaars. David versucht sich in seine Arbeit zu stürzen und Catherine wird exzentrisch...



Meinung

Ich habe mir das Buch zur Hand gegriffen, weil ich die Beschreibung vom Buchrücken spannend fand. Sie war uneindeutig formuliert und ich wurde neugierig, vor allem da Ernest Hemingway kein unbekannter Name ist. Schon länger wollte ich etwas von ihm lesen, aber Der Mann und das Meer hat mich als Titel schon nicht angesprochen und ich habe mich für dieses, von ihm eher unbekanntere Werk, entschieden.

Auch wenn es gewagt klingt sexuelle Identität zu schreiben, so hat Hemingway damit nichts anzügliches gemeint. Ganz im Gegenteil, es handelt sich um die innere Verlangen und Wünsche des Ehepaars, die während der Flitterwochen ans Licht kommen. So will Catherine mal "Junge" sein, lässt sich die Haare kurz schneiden und will im Schlafzimmer die Oberhand behalten. Dass alles nur harmlos anfängt wird erst später klar, aber da ist es um die Beziehung und den gegenseitigen Respekt schon geschehen.

David ist zu Beginn tolerant und lässt seine Frau gewähren. Er sieht nichts schlimmes an ihren kleinen Spielchen und macht mit. Es war für mich spannend zu beobachten, wie die Beziehung sich entwickelt. Nur langsam wurden teile der Vergangenheit enthüllt, Wünsche und Lebensvorstellungen der Ehepaare deutlich. Je weiter die Handlung fortschritt, desto größer wurde die Kluft zwischen David und Catherine. 

Marita, das junge Mädchen, in das sich bald sowohl Catherine als auch David verlieben ist ebenfalls ein interessanter Charakter. Nachdem ich die Novelle beendet habe wurde ich aus ihr trotz allen nicht schlau, denn sie hat kein konkretes Motiv mit dem Ehepaar zusammen zu sein. Sie scheint das Ehepaar von einander zu trennen und doch erweist sie sich zum Schluss als gewisses Bindeglied, die Streit schlichtet und die Gemüter zur Ruhe bringt.

Auch Geld und der Umgang damit spielen eine Rolle. Von Anfang an macht sich das Ehepaar keine Sorgen und speist königlich mit Champagner zum Frühstück und Kaviar zum Abendessen. Erst später treten Streitigkeiten auf und Vorwürfe werden gemacht, dass man nur wegen dem Geld geheiratete hätte. Das Geld dazu verleiten kann in einer Ehe die Oberhand zu halten kommt an manchen stellen hervor, allerdings kritisiert Hemingway das nicht, sondern präsentiert uns mit der Realität. 

Eine ganz andere Welt eröffnet Hemingway, wenn der Leser David beim Schreiben zuschaut. Dieser verfasst eine Autobiografie seiner Kindheit. Damit erhält der Leser die Möglichkeit den jungen Schriftsteller besser zu verstehen und seine Kindheit kennen zulernen. An diesen Stellen ändert sich auch der Stil und die Art des Erzählens. Es handelt sich um eine Geschichte in der Geschichte, der man genauso gespannt folgt, wie dem Hauptstrang.

Hemingway lässt seine Novelle offen enden. Der Schluss deutet auf den emotionalen Bruch zwischen David und Catherine, gibt jedoch keine Hinweise auf die weitere Entwicklung ihres Lebens. Lediglich eins ist mir klar geworden: Das Leben wird weiter gehen, egal, wie die Beziehung der beiden sich entwickeln sollte. Es bleibt ein trauriger Nachgeschmack und viel Stoff zum Nachdenken.

Später habe ich gelesen, dass Der Garten Enden nach Hemingways Tod herausgebracht wurde und sogar stark verkürzt ist. Das hat mich ein wenig traurig gemacht, denn ich hätte gerne noch mehr Details erfahren. Das Thema und die Umsetzung haben mich angesprochen und ich würde gerne wissen, wie das vom Autor verfasste Original aussieht. Das originale Skript soll allerdings nicht erhältlich sein.

Auch soll das Buch biografische Züge beinhalten. Hemingway hätte in dieser Novelle seinen Erfahrungen mit seiner zweiten Frau, Pauline Pfeiffer, in ihren Flitterwochen verarbeitet. Da ich das Werk sehr realistisch geschrieben und als vollkommen glaubhaft empfunden habe, kann ich das leicht glauben. Diese Information hat mich sogar bewogen die Geschichte zu überdenken und mich vom konkreten Inhalt zu abstrahieren und statt dessen den wahren Kern zu suchen. Es ist auf alle Fälle ein facettenreiches Buch, das man gut mehrere Male lesen kann. 



Empfehlung

Mir hat die Novelle sehr gefallen, aufgrund der interessanten Themen und der realitätsnahen Beschreibung. Fast kann man die Geschichte zwischen David und Catherine als tragisch bezeichnen, aber im Endeffekt haben alle Beteiligten zu dem fatalen Ende beigetragen. Das Buch gibt Stoff zum Nachdenken und regt dazu an, seine innere Welt nicht zu vernachlässigen, nicht jedoch alle Gefühlsschwankungen hemmungslos auszuleben.
Es ist eine Novelle über das Leben und die menschliche Persönlichkeit. Ich glaube eine ganz kleine philosophische Ader muss man haben, um das Werk zu mögen und gerne zu lesen. 



Küsse,
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Janna